01.03.2026

2. Wellen

 

Ich sitze beim Kornhaus, die Sonne im Gesicht.

Der See liegt vor mir wie eine atmende Pause.

Erst glatt. Dann, im weich empfangenden Blick,

öffnet er seine feinen Geheimnisse.

 

Unaufhaltsam nähern sich zarte Wellen,

vereinen sich mit den Gegenwellen der Hafenmauer.

Ein Entenerpel zupft sein Gefieder –

und aus dieser kleinen Geste wandern konzentrische Kreise davon,

als würden sie mir zuflüstern: Alles hat eine Wirkung.

 

Die Luft riecht nach Frische.

Ich atme – und spüre, wie etwas in mir sich weitet.

Ein Blesshuhn rennt flatternd übers Wasser,

über mein Gesicht huscht ein Lächeln.

 

Dann ein Motorboot: Wellen, Wirbel, Wucht.

Das Hafenbecken bebt.

Doch langsam kehrt das Wasser heim

in seinen eigenen Rhythmus.

So selbstverständlich, so wissend.

 

Schauend fühle ich:

Auch mein Inneres kennt diese Muster.

Aufruhr. Rückzug. Wiederfinden.

An der Oberfläche lebendig, in der Tiefe still.

 

Wenn ich dem Wasser lausche,

lausche ich mir selbst.

Und in dieser zarten Aufmerksamkeit

wächst etwas Kostbares:

Ruhe. Hingabe.

Ein Aufleuchten von Schönheit - ein magischer Moment.

 

Welcher deiner magische Moment kommt dir zuerst in den Sinn?

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