26.02.2026
Den Schlüssel aus meiner Tasche klaubend eile ich durch die Tiefgarage – und werde so brüsk gestoppt, dass ich wie nach einem K.o.-Schlag zu Boden gehe. Als ich wieder hochschaue – leicht benommen und verwundert – entdecke ich die Übeltäter: frisch montierte Ladestationen, die von der Decke hängen. Zwar ist die durch meine Schirmmütze eingeschränkte Sicht eine gute Erklärung für meinen Verstand, sie ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich nicht achtsam war und die Wunde an der Stirn nun dringend versorgt werden muss
Zwei Wochen später, die Wunde ist bereits recht gut verheilt, stellen sich plötzlich Schwindelgefühle ein. Kurz, ein bis drei Sekunden, dafür dreissig bis vierzig Mal pro Tag. Zunächst verunsichert mich das völlig, denn diese Erfahrung kenne ich nicht. Ich wage mich kaum aus dem Haus – Autofahren kommt schon gar nicht infrage. Doch es zeigt sich: Der Schwindel ist nicht so arg, dass ich stürzen könnte. Das beruhigt mich ein wenig und weckt gleichzeitig meine Neugier.
Ich beginne, den Schwindel zu erforschen: Wann tritt er auf? Kann ich ihn absichtlich herbeiführen? Kann ich ihn dämpfen oder gar zum Verschwinden bringen? Das willkürliche Herbeiführen gelingt mir nicht. Ich merke jedoch, dass abrupte Bewegungen den Schwindel auslösen können – allerdings nur dann, wenn sie überraschend kommen. Das Gleichgewicht scheint vor allem dann irritiert zu sein, wenn es überrumpelt wird. Auch plötzlicher Lärm oder schnelle Bewegungen im Blickfeld führen dazu. Ausserdem stelle ich fest: Wenn ich mich gedanklich mit meinem Schwindelgefühl beschäftige, taucht es häufiger auf. Vertiefe ich mich hingegen in eine Arbeit, tritt es weniger in Erscheinung. Ich folgere, dass diese Gleichgewichtsverunsicherung auch mit Angst zu tun hat.
Also beginne ich, meinem Gleichgewichtsorgan gut zuzureden: Wir werden zum Arzt gehen, um eine Erklärung zu bekommen und um auszuschliessen, dass etwas Schlimmes dahintersteckt. Gleichzeitig spreche ich mit Bekannten über meine Situation – und erfahre, dass einige dieses Phänomen ebenfalls kennen. Ich bekomme Tipps zu Augen- und Halsübungen. Das tut gut. Ich fühle mich weniger allein mit dieser Unsicherheit.
Noch nie zuvor habe ich meinen Körper im Alltag so genau beobachtet. Ich kenne das vom Bodyscan und der Meditation – bewusste, klar begrenzte Inseln der Achtsamkeit. Jetzt bin ich jedoch gezwungen, dieselbe Aufmerksamkeit in den Alltag mitzunehmen: beim Gehen, bei der Arbeit, beim Akkordeonspielen oder bei einem Konzertbesuch.
Anscheinend braucht es bei einem harten „Grind“ einen K. o.-Schlag, damit die Erkenntnis ankommt, dass Achtsamkeit und Meditation auch im Alltag möglich sind. Ich werde weiterhin dranbleiben – auch ohne Schwindel.
Und was hat das mit magischen Momenten zu tun?
Ich bin überzeugt, dass wir mehr magische Momente erleben, wenn wir lernen, einen Teil unserer Aufmerksamkeit immer wieder, bis möglichst oft, auf unseren Innenraum zu richten: Wie fühlt es sich in mir gerade an? Wobei das Ziel nicht ist möglichst viele magische Momente zu erleben, sondern eine tiefe Beziehung zu uns selbst zu bekommen. So kommen wir dem inneren Frieden etwas näher 😊.
Wie übst du dich in Achtsamkeit?